Historie

Entwicklung von Dülken

Wir blicken auf eine sehr turbulente Geschichte zurück, in der Dülken Höhen, Tiefen und verschiedene Herrschaften erlebte. Dülken wurde einmal von den Spaniern besetzt, gehörte eine Zeit lang offiziell zu Frankreich, zu deutschen Herzogtümern und Grafschaften, ab 1814 zu den Vorgängerstaaten Deutschlands.

Als erste historisch belegte Quelle wird die Besiedlung im Dülkener Raum durch den Stamm der Eburonen erwähnt. Über sie ist relativ wenig bekannt, sie wurden bis zum Jahr 51 vor Christus ausgelöscht. Ihre Herkunft war vermutlich keltisch und der Besiedlungsraum reichte entsprechend Münzfunden vom Niederrhein über die Eifel bis weit nach Belgien in die Nähe von Brüssel. Davor muss es aber schon Besiedlungen durch mehrere Stämme gegeben haben, da der fruchtbare Boden und eine gute Lage sowohl Landwirtschaft, wie auch Handel erlaubten.

Um das Jahr 54 -51 vor Christus wurden die Eburonen nach ihrer Beteiligung an einem Aufstand gegen die Römer in Rachefeldzügen geschlagen, andere Stämme durften das Gebiet plündern. Entsprechend weisen Siedlungsfunde einen deutlichen Schnitt in der kulturellen Entwicklung auf.

Dülken wurde danach für eine Zeit römisch, Urnengräber aus dem 2. Jahrhundert werden 1858 bei Bauarbeiten am Mühlberg gefunden. Bis zum Zerfall des römischen Imperiums (genauer: zuletzt des weströmischen Reichs) am Niederrhein ab ca. dem Jahr 400 – 500 nach Christus dümpelt Dülken durch die Geschichte. Recht lebhaft waren danach die Herrschaftswechsel am Niederrhein, mal hatte der eine Häuptling die Oberhand, dann regierte der andere Fürst. Natürlich mit verschiedenen Stämmen und ab und an ein kleiner Feldzug war charakteristisch für das Geschehen.

Erst mit Karl dem Großen, ab 768 zuerst mit seinem Bruder und ab 771 als alleiniger König, gab es wieder größere, gefestigte politische Strukturen in Westeuropa – vor Karls Krönung regierten Fürsten oft kleinere Herrschaftsbereiche. Unter Karl, der bekanntlich später auch Kaiser wurde, entstanden feudale Strukturen, wie sie heute als mittelalterlich bekannt sind. Dülken gehörte fortan zum Mülgau, einer Grafschaft, die ab dem Jahr 837 erwähnt wurde und bis zum 10. Jahrhundert bestand.

Wieder einmal zerfiel ein Reich – dieses Mal die Franken – und die Dülkener fanden sich alsbald inmitten diverser Herrschaftsansprüche und Reisender in Sachen Realpolitik. Man hätte langsam wirklich Maut verlangen sollen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dülken dann 1267, als Getreidemengen in umliegenden Gemeinden nach dem „Dülkener Maß“ bestimmt wurden.

1350 bis knapp 1450 kommt es zu ersten dokumentierten Auseinandersetzungen mit Viersen, Grund waren Gebietsstreitereien an der Polhütte.

1364 ist definitiv der Zeitpunkt, dass Dülken Stadtrechte hat. Einige Quellen legen die Verleihung der Stadtrechte früher, bis 1352 oder 1353, fest aber 1364 ist gesichert durch eine Erwähnung im Landfrieden von Rhein und Maas. Zu diesem Zeitpunkt besteht auch bereits eine eigene Stadtverwaltung.

Ohne Moos nix los und deswegen prägt Dülken ab 1387 sein eigenes Geld, den Dülkener Pfennig. Bitte bedenken, dass in dieser Zeit viele Städte und Regionen eigene Währungen heraus gaben und man munter zwischen den unterschiedlichen Devisen hin und her rechnete.

Damit man das schöne Geld auch sinnvoll anlegen kann, dürfen die Dülkener ab 1398 mit dem Brauprivileg eigenes Bier in ihren Häusern herstellen.

Bis 1423 ist Dülken Münzstätte des Herzogtums Jülich. Dessen Geschichte sowie die räumliche Entwicklung ist unter dem angegebenen Link bei Wikipedia nachlesbar.

Heute noch erinnert der Name Eligiusplatz an die erste Zunft, welche sich 1433 gründete; Eligius, Schirmherr der Schmiede, stand Pate.

1474 gibt es Ärger in der Nachbarschaft und Dülken wird zum Heerlager für einen Angriff auf Neuss.

1553 kommt es zu einem großen Brand, dem ca. ein Drittel der Häuser im Stadtgebiet zum Opfer fallen.

Ein Jahr später beginnt der erleuchtete Mond, über Dülken zu strahlen. 1554 ist das wahrscheinliche Gründungsjahr der Narrenakademie. Somit entsteht hier eine der ältesten, wenn nicht sogar die älteste Karnevalsgesellschaft überhaupt.

Modell der Festungsanlagen in Dülken

Die Dülkener Festung im Modell

Während der ganzen Raubzüge und Feldzüge hat sich Dülken zu einer ovalen Festungsstadt entwickelt, dem „Dülkener Ei“. Heute noch kann man einen Teil der Befestigungsanlagen an der alten Stadtmauer / Theodor-Frings-Allee sehen. Dort steht auch der einzige erhaltene Festungsturm, von denen Dülken 1568 insgesamt zwölf hatte, die fortwährend weiter ausgebaut wurden. Wer heute über Nordwall und die anderen Wälle und Gräben spaziert, findet noch den Grundriss der alten Stadtstruktur. Ein Modell der Festungsanlage ist im Museum der Narrenakademie in der Narrenmühle zu besichtigen.

Die Mauer und der Graben nützen nichts, 1624 wird Dülken durch spanische Truppen besetzt. Der Dreißigjährige Krieg hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

1634 kommt es zu einer großen Pest-Epediemie.

Die dauernden Streitereien der Nachbarn und mehrmalige Besetzungen führen 1642 zur Flucht in die Nachbargebiete von Holland bis Geldern.

1741 wird das erste Doktordiplom der Narrenakademie verliehen.

1749 haben die Dülkener die Nase voll, dauernd überfallen zu werden und gründen die St. Donatus Schützenbruderschaft.

1781 wird in Dülken eine Synagoge errichtet.

Die französische Revolution von 1789 bis 1799 bringt in direkter Folge neue Touristen. Das Erzherzogtum Jülich wird bei Jemappes geschlagen und französische Truppen dringen bis Dülken vor. Sie und preußische Truppen werden in der Stadt einquartiert. Im Gegenschlag vertreiben die Truppen des Herzogs von Braunschweig die Franzosen. Im Gegenschlag des Gegenschlags kommen die Franzosen zurück und richten ihr Hauptquartier in Dülken ein. Die Stadt wird als Bürgermeisterei (Mairie) 1794 im Rur-Department unter französische Verwaltung gestellt. Der Frieden von Basel schlägt alle linksrheinischen Gebiete 1795 zunächst vorläufig Frankreich zu.

1801 wird Dülken offziell französisch.

1812 müssen die Dülkener Männer und Pferde für französische Eroberungszüge stellen.

1814 geht es wieder in die andere Richtung, Dülken wird von den Franzosen befreit und Teil der Vorgängerländer des deutschen Reichs.

1836 Am 1. Oktober wird Tien Anton geboren.

Mit 14 Brauereien und 4 Brennereien ist Dülken 1844 in der Lage, sich selbst und andere Gebiete zu versorgen. Ein früher Modellversuch zur Energiewende.

1868 Wird eine weitere traditionelle Karnevalsgesellschaft gegründet, das Orpheum.

1889 wird die freiwillige Feuerwehr gegründet

1895 stirbt Tien Anton.

Bis 1903 gibt es mehrere Innovationen. Dülken wird von vielen Gaslaternen erhellt und das Kaiser-Friedrich-Bad entsteht als eine klassische Badeanstalt der Kaiserzeit. Hier lernten viele ältere Dülkener schwimmen bis in den 70er Jahren das Sportzentrum Ransberg entstand. Das Kaiser-Friedrich Bad ist heute zu einer Wohnanlage umgebaut, von außen zu besichtigen an der Kreuzung Venloer Straße, Bücklerstraße. Im gleichen Jahr erreicht die Stadt 10.000 Einwohner.

1906 bekommt Dülken einen Straßenbahnanschluss bis Mönchengladbach. Die Bahnen verkehren im 20- oder 30-Minuten Takt. Damit ist permanent eine schnelle Anbindung gegeben. Zudem reicht das Gladbacher Gleisnetz „auf der anderen Seite“ bis weit ins Hinterland und nach Krefeld. Endpunkt nach der Strecke quer durch die Stadt ist die Narrenmühle, Dülken hat ein eigenes Straßenbahndepot. Im gleichen Jahr entsteht der erste Fußballclub, der Dülkener FC.

1912 hat Dülken bis auf einige Außengebiete flächendeckend Anschluss. Die elektrische Versorgung ist gewährleistet.

1914-1918 bringt der erste Weltkrieg deutliche Einschnitte. Die Wirtschaft stagniert fast, über 450 Dülkener verlieren ihr Leben an der Front.

1940 kommt der zweite Weltkrieg nach Dülken und die erste Bombe fällt.

3.12.1944 Bei einem Luftangriff treffen 43 Bomben Dülken. Fast 100 Menschen werden verletzt oder getötet.

Im März 1945 wird Dülken Teil einer gigantischen Täuschungskampagne der US-Armee (Operation Viersen, Ghost Army), welche deutschen Verbänden die Überquerung des Rheins bei Düsseldorf vorgaukelt, während der tatsächliche Angriff Richtung Wesel passiert.

1945 Zum Ende des zweiten Weltkriegs sind in Dülken insgesamt 1185 Menschen getötet worden. Dazu kommen deportierte und ermordete Opfer einer einst blühenden, jüdischen Gemeinde. Im gleichen Jahr kommen die ersten Flüchtlinge aus Ostdeutschland.

Am 1. August 1955 wird der Straßenbahnbetrieb eingestellt, Busse übernehmen fortan den Nahverkehr.

1968 gibt Dülken seine Selbständigkeit als Stadt mit einem knappen Ratsbeschluss auf. Bis dahin war die Stadt durchaus als sehr wohlhabend zu bezeichnen.

1970 beginnt die Erschließung des Industriegebiet Mackenstein, einem Gewerbegebiet mit zunächst 83 Hektar.

1976 Nimmt das neue Wasserwerk seinen Betrieb auf.

1977 Wird der Neubau des Altenheims Bodelschwinghwerk-Dülken eingeweiht.

1978 beginnt der Umbau des Alten Waisenhaus. Am Eligiusplatz entsteht in historischer Umgebung ein Veranstaltungs- und Bibliotheksgebäude. Fertigstellung 1980.

1998 gibt es das erste Tien-Anton-Gedächtnisrennen. Die Tradition schläft umgehend wieder ein.

2007 findet die erste Dülkener Bierbörse statt. Ein zunächst noch kleines Ereignis, dass sich bis heute zu einer ebenso sympathischen, wie großen Veranstaltung in der Dülkener Innenstadt entwickelt hat.

2013 beschließt die Stadt Viersen zusammen mit Mönchengladbach, das Gewerbegebiet Mackenstein kräftig auszubauen. Es soll vom bisherigen Mackenstein bis nach Mönchengladbach reichen.

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